Rudi Dutschke

Rudi Dutschke diskutierte in der Werksatt über eine Gesellschaft mit dem Antlitz des Menschen.

Das Denken von Rudi Dutschke

Grund­po­si­tion

Dutschke ver­stand sich seit sein­er Jugendzeit als anti­au­toritär­er demokratis­ch­er Sozial­ist. In sein­er Stu­dien­zeit entwick­elte er sich zu einem überzeugten rev­o­lu­tionären Marx­is­ten in der Nach­folge des ungarischen Philosophen Georg Lukacs. Ähn­lich wie dieser betonte er die “lib­ertären”, oft vergesse­nen Tra­di­tio­nen der Arbeit­er­be­we­gung sowohl gegen den Reformis­mus wie auch den Stalinismus.

Dutschkes Ziel war die “totale Befreiung der Men­schen von Krieg, Hunger, Unmen­schlichkeit und Manip­u­la­tion” durch eine “Wel­trev­o­lu­tion”. Mit dieser radikalen Erlö­sung­su­topie knüpfte er an den christlichen Sozial­is­mus sein­er Jugend an, auch wenn er nicht mehr an einen per­sön­lichen, tran­szen­den­ten Gott glaubte. 1978 bekan­nte er bei einem Tre­f­fen mit Mar­tin Niemöller:

Ich bin ein Sozial­ist, der in der christlichen Tra­di­tion ste­ht. Ich bin stolz auf diese Tra­di­tion. Ich sehe Chris­ten­tum als spez­i­fis­chen Aus­druck der Hoff­nun­gen und Träume der Menschheit.”

Aus­druck der Verbindung bei­der Tra­di­tio­nen war die lebenslange Fre­und­schaft zu Hel­mut Goll­witzer und der Dop­pel­name seines ersten Sohnes “Hosea-Che”, der auf den bib­lis­chen Propheten Hosea und den kuban­is­chen Gueril­la-Kämpfer Che Gue­vara anspielte.

Ökonomis­che Analyse

Dutschke ver­suchte, die marxsche “Kri­tik der poli­tis­chen Ökonomie” auf seine Gegen­wart anzuwen­den und weit­erzuen­twick­eln. Er sah das Wirtschafts- und Sozial­sys­tem der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land als Teil eines weltweit­en kom­plex­en Kap­i­tal­is­mus, der alle Lebens­bere­iche durch­dringe und die lohn­ab­hängige Bevölkerung unter­drücke. Die soziale Mark­twirtschaft beteilige das Pro­le­tari­at zwar am rel­a­tiv­en Wohl­stand der fort­geschrit­te­nen Indus­trielän­der, binde es dadurch aber in den Kap­i­tal­is­mus ein und täusche es über die tat­säch­lichen Machtver­hält­nisse hinweg.

Repräsen­ta­tive Demokratie und Par­la­men­taris­mus waren daher für Dutschke Aus­druck ein­er “repres­siv­en Tol­er­anz” (Her­bert Mar­cuse), die die Aus­beu­tung der Arbeit­er ver­schleiere und die Priv­i­legien der Besitzen­den schütze. Diese Struk­turen sah er als nicht reformier­bar an; sie müssten vielmehr in einem lang­wieri­gen, inter­na­tion­al dif­feren­zierten Rev­o­lu­tion­sprozess umgewälzt wer­den, der er als „lan­gen Marsch durch die Insti­tu­tio­nen“ bezeichnete.

In der Bun­desre­pub­lik erwartete Dutschke nach dem Ende des Wirtschaftswun­ders eine Peri­ode der Stag­na­tion: Die Sub­ven­tion­ierung unpro­duk­tiv­er Sek­toren wie Land­wirtschaft und Berg­bau werde kün­ftig nicht mehr finanzier­bar sein. Der dadurch abse­hbare mas­sive Abbau von Arbeit­splätzen werde eine Struk­turkrise erzeu­gen, die den Staat zu immer tief­er­en Ein­grif­f­en in die Wirtschaft ver­an­lassen und in einen „inte­gralen Etatismus“ mün­den werde: Der Staat werde die Wirtschaft lenken, aber das Pri­vateigen­tum for­mal beibehal­ten. Dieser Zus­tand sei nur mit Gewalt gegen die auf­begehren­den Opfer der Struk­turkrise zu stabilisieren.

Im tech­nis­chen Fortschritt sah Dutschke Ansatzpunk­te für eine grundle­gende Gesellschaftsverän­derung: Automa­tisierung, Com­put­er­isierung und Nutzung der Atom­kraft zu friedlichen Zweck­en lasse die Notwendigkeit der Lohnar­beit zunehmend weg­fall­en. Damit werde Arbeit­szeit freige­set­zt, die gegen das “Sys­tem” aktiviert wer­den könne. Für den nöti­gen Umsturz fehle der Bun­desre­pub­lik jedoch ein “rev­o­lu­tionäres Sub­jekt”. Gestützt auf Her­bert Mar­cuse („Der eindi­men­sion­ale Men­sch“) glaubte Dutschke, ein “gigan­tis­ches Sys­tem von Manip­u­la­tion” stelle “eine neue Qual­ität von Lei­den der Massen her, die nicht mehr aus sich her­aus fähig sind, sich zu empören.” Die deutschen Pro­le­tari­er lebten verblendet in einem “falschen Bewusst­sein” und kön­nten den abstrak­ten Gewaltzusam­men­hang des kap­i­tal­is­tis­chen Staates daher nicht mehr unmit­tel­bar wahrnehmen. Eine “Selb­stor­gan­i­sa­tion ihrer Inter­essen, Bedürfnisse, Wün­sche” sei damit “geschichtlich unmöglich geworden.”

Anti­im­pe­ri­al­is­tis­che Gewalt und anti­au­toritäre Provokation

Dutschke glaubte, die Bedin­gun­gen für die Über­win­dung des weltweit­en Kap­i­tal­is­mus seien in den reichen Indus­tri­es­taat­en und der sog. “Drit­ten Welt” unter­schiedlich. Anders als Marx es erwartet hat­te, werde die Rev­o­lu­tion nicht im hochin­dus­tri­al­isierten Mit­teleu­ropa begin­nen, son­dern von den ver­armten und unter­drück­ten Völk­ern der “Periph­erie” des Welt­mark­ts ausgehen.

Im Viet­namkrieg sah er den Beginn dieser rev­o­lu­tionären Entwick­lung, die auch auf andere Dritte-Welt-Län­der über­greifen könne. Er bejahte dazu aus­drück­lich die Gewalt des Vietcong:

Dieser rev­o­lu­tionäre Krieg ist furcht­bar, aber furcht­bar­er wür­den die Lei­den der Völk­er sein, wenn nicht durch den bewaffneten Kampf der Krieg über­haupt von den Men­schen abgeschafft wird“.

Er teilte hier die anti­im­pe­ri­al­is­tis­che The­o­rie von Frantz Fanon und Che Gue­vara, wonach der von „rev­o­lu­tionärem Hass“ geleit­ete Befreiungskampf der Völk­er zuerst die „schwäch­sten Glieder“ in der Kette des Impe­ri­al­is­mus zer­reißen sollte: „Schaf­fen wir zwei, drei, viele Vietnam“.

Dutschke schloss Gewalt auch für die Bun­desre­pub­lik nicht aus. Auf die Frage, ob er sich davon dis­tanziere, antwortete er 1968:

Nein, aber die Höhe unser­er Gegenge­walt bes­timmt sich durch das Maß der repres­siv­en Gewalt der Herrschenden“.

In diesem rezipro­ken Sinn hielt er einen Gueril­lakrieg in der deutschen Sit­u­a­tion nicht für angemessen. Der langfristige Erfolg von Umsturzver­suchen in der Drit­ten Welt hing für ihn davon ab, dass auch den “Massen” in den “Metropolen” des Kap­i­tal­is­mus ihre Unter­drück­ung bewusst werde. Er glaubte, dass die hiesige anti­au­toritäre Stu­den­ten­be­we­gung diesen Zusam­men­hang zuerst erken­nen würde und die Verblendung des “ver­bürg­er­licht­en” Pro­le­tari­ats von den Uni­ver­sitäten her allmäh­lich auf­brechen könne.

Schon 1965 ver­langte Dutschke dazu: „Genehmigte Demon­stra­tio­nen müssen in die Ille­gal­ität über­führt wer­den. Die Kon­fronta­tion mit der Staats­ge­walt ist zu suchen und unbe­d­ingt erforder­lich“. Am 21. Okto­ber 1967 konkretisierte er die Ziel­rich­tung dieser Konfrontation:

Die Durch­brechung der Spiel­regeln der herrschen­den kap[italistischen] Ord­nung führt nur dann zur man­i­festen Ent­larvung des Sytems als ‘Dik­tatur der Gewalt´, wenn wir zen­trale Ner­ven­punk­te des Sys­tems in man­nig­faltiger Form (von gewalt­losen offe­nen Demon­stra­tio­nen bis zu kon­spir­a­tiv­en Aktions­for­men) angreifen (Par­la­ment, Steuerämter, Gerichts­ge­bäude, Manip­u­la­tion­szen­tren wie Springer-Hochhaus oder SFB, Ameri­ka-Haus, Botschaften der unter­drück­ten Natio­nen, Armeezen­tren, Polizeis­ta­tio­nen u.a.m.).“

Organ­isierte Irreg­u­lar­ität”, also sys­tem­a­tis­che Ver­stöße gegen die Regeln des bürg­er­lichen Staates soll­ten diesen zu gewalt­tätiger Reak­tion provozieren. Die “sinnliche Erfahrung” dieser son­st „laten­ten“ staatlichen Gewalt und Aufk­lärung darüber soll­ten gemein­sam das “falsche Bewusst­sein” aufheben und die tat­säch­liche Unfrei­heit zunächst bei den Akteuren, dann auch bei deklassierten Arbeit­ern und Arbeit­slosen trans­par­ent machen. Der Rev­o­lu­tionär rev­o­lu­tion­iere sich damit gle­ich­sam selb­st: Dies sei die “entschei­dende Voraus­set­zung für die Rev­o­lu­tion­ierung der Massen”.

Die Protest­for­men der APO set­zten diese “anti­au­toritäre Pro­voka­tion” zum Teil um und nah­men die Öffentlichkeit zur Poli­tisierung der Bevölkerung in Anspruch. Dazu wur­den z.B. Demon­stra­tionsver­bote mis­sachtet und vorgeschriebene Demon­stra­tionsorte und ‑routen ver­lassen. Sitzstreiks, “Go-Ins”, Tomaten­würfe und “Pud­ding-Attack­en” auf Staats­be­such­er und Herrschaftssym­bole usw. soll­ten den bürg­er­lichen Staat zwin­gen, seine “lib­erale Maske” abzule­gen und die Gewalt offen zu zeigen, die ihm struk­turell inhärent sei.

Nach Ben­no Ohne­sorgs Tod schien dieses Konzept aufzuge­hen: Die Reak­tion der Staats­ge­walt auf die Proteste entset­zten viele Men­schen und motivierten sie zu ver­stärk­tem Protest. 1968 erre­ichte dieser ein Aus­maß, das eine Rev­o­lu­tion für viele der damals Beteiligten greif­bar nahe zu rück­en schien.

Dutschke glaubte wie viele im SDS damals, man könne Staat und Volk in einen zunehmend gewalt­sam aus­ge­tra­ge­nen Wider­spruch treiben und so eine Rev­o­lu­tion herbeiführen:

Es hängt primär von unserem Willen ab, wie diese Peri­ode der Geschichte aus­ge­ht (…) Es hängt von unseren schöpferischen Fähigkeit­en ab, kühn und entschlossen die sicht­baren und unmit­tel­baren Wider­sprüche zu ver­tiefen und (..) kühn und all­seit­ig die Ini­tia­tive der Massen zu entfalten.“

Gegen dieses Konzept erhob Jür­gen Haber­mas am 9. Juni 1967 zwei scharfe Vor­würfe: Die Rev­o­lu­tion allein von der Entsch­ieden­heit der Rev­o­lu­tionäre abhängig zu machen, wie es die Anar­chis­ten des 19. Jahrhun­derts getan hat­ten, statt gut marx­is­tisch auf die Entwick­lung der Pro­duk­tionsver­hält­nisse zu set­zen, nan­nte er “Vol­un­taris­mus”. Nachger­ade als “linken Faschis­mus” beze­ich­nete er Dutschkes Vorhaben, „die sub­lime Gewalt, die notwendig in den Insti­tu­tio­nen enthal­ten ist, man­i­fest wer­den“ zu lassen: Dadurch wür­den Faschis­mus­ten­den­zen in Staat und Volk erst geweckt, statt sie ver­ringern. Später bedauerte Haber­mas seine Wort­wahl, hielt den Vor­wurf aber der Sache nach aufrecht.

Dutschke dage­gen glaubte, nur Gegen­wehr könne die Staats­ge­walt zurück­drän­gen und so Men­schen­leben ret­ten (Tage­buch 10. Juni 1967):

H[abermas] will nicht begreifen, dass allein sorgfältige Aktio­nen Tote, sowohl für die Gegen­wart als auch noch mehr für die Zukun­ft ‘ver­mei­den’ kön­nen. Organ­isierte Gegenge­walt unser­er­seits ist der größte Schutz, nicht ‘organ­isierte Abwiegelei’ a la H[abermas]. Der Vor­wurf der ‘vol­un­taris­tis­chen Ide­olo­gie’ ehrt mich…”

Dutschke unter­schied Gewalt gegen Sachen und Gewalt gegen Per­so­n­en; let­ztere lehnte er zwar nicht prinzip­iell, aber für die bun­des­deutsche Sit­u­a­tion ab. Auch an Gewalt gegen Sachen beteiligte er sich nicht aktiv, wenn er auch Sprengstof­fan­schläge auf einen Sende­mast des amerikanis­chen Sol­datensenders AFN oder ein Schiff mit Ver­sorgungs­gütern für die US-Armee in Viet­nam mit vor­bere­it­ete. Bei­de Anschläge blieben unaus­ge­führt, teils wegen prak­tis­ch­er Prob­leme, teils weil Ver­let­zung von Per­so­n­en nicht aus­geschlossen wer­den konnte.

Auf die Frage: “Wür­den Sie für Ihre rev­o­lu­tionären Ziele not­falls auch mit der Waffe in der Hand ein­treten?” antwortete er im Dezem­ber 1967:

Wäre ich in Lateinameri­ka, würde ich mit der Waffe in der Hand kämpfen. Ich bin nicht in Lateinameri­ka, ich bin in der Bun­desre­pub­lik. Wir kämpfen dafür, dass es nie dazu kommt, dass Waf­fen in die Hand genom­men wer­den müssen. Aber das liegt nicht bei uns. Wir sind nicht an der Macht. Die Men­schen sind sich ihres eige­nen Schick­sals nicht bewusst … Wenn 1969 der NATO-Aus­tritt nicht vol­l­zo­gen wird, wenn wir reinkom­men in den Prozess der inter­na­tionalen Auseinan­der­set­zung — es ist sich­er, dass wir dann Waf­fen benutzen wer­den, wenn bun­desre­pub­likanis­che Trup­pen in Viet­nam oder ander­swo kämpfen — dass wir dann im eige­nen Lande auch kämpfen werden.”

Während er dies nach seinem Atten­tat nicht wieder­holte, hielt er an der Aufk­lärung durch auch irreg­uläre Aktio­nen fest. Im Rück­blick sah er sein Konzept dur­chaus als wirk­sam an (Tage­buch 4. März 1974): “Nach dem Viet­nam-Kongress war der Höhep­unkt der faschis­toiden Ten­denz bald beseitigt.”

Ver­hält­nis zum Terrorismus

Dutschke gren­zte sich als anti­au­toritär­er Marx­ist stets von allen “Kader”-Konzepten ab, die sich von der Bevölkerung isolierten und deren Bewusst­wer­dung ver­hin­derten. Eben­so kri­tisch stand er auch dem “Indi­vid­u­al­ter­ror” gegenüber, der nach dem Zer­fall des SDS seit 1970 von ver­schiede­nen linksradikalen Grup­pen wie den „Tupa­maros West­ber­lin“ oder der RAF verübt wurde.

Am 9. Novem­ber 1974 starb das RAF-Mit­glied Hol­ger Meins an einem Hunger­streik im Gefäng­nis. Bei sein­er Beerdi­gung rief Dutschke mit erhoben­er Faust: “Hol­ger, der Kampf geht weit­er!” Auf die heftige Kri­tik daran reagierte er nach dem Mord an Gün­ter von Drenkmann mit einem Leser­brief an den Spiegel, in dem er erklärte:

 ‘Hol­ger, der Kampf geht weit­er’ — das heißt für mich, dass der Kampf der Aus­ge­beuteten und Belei­digten um ihre soziale Befreiung die alleinige Grund­lage unseres poli­tis­chen Han­delns als rev­o­lu­tionäre Sozial­is­ten und Kom­mu­nis­ten aus­macht. […] Die Ermor­dung eines antifaschis­tis­chen und sozialdemokratis­chen Kam­mer-Präsi­den­ten ist aber als Mord in der reak­tionären deutschen Tra­di­tion zu begreifen. Der Klassenkampf ist ein Lern­prozess. Der Ter­ror aber behin­dert jeden Lern­prozess der Unter­drück­ten und Beleidigten.”

In einem Pri­vat­brief an den SPD-Bun­destagsab­ge­ord­neten Freimut Duve vom 1. Feb­ru­ar 1975 erk­lärte Dutschke sein Auftreten an Meins´ Grab für zwar „psy­chol­o­gisch ver­ständlich“, poli­tisch aber „nicht angemessen reflektiert“.

Am 7. April 1977, dem Tag des Mordes an Gen­er­al­bun­de­san­walt Siegfried Buback, notierte er in sein Tagebuch:

Der Bruch der linken Kon­ti­nu­ität im SDS, die ver­häng­nisvollen Auswirkun­gen wer­den erkennbar. Was tun? Die sozial­is­tis­che Partei wird immer unerlässlicher!”

Er sah nun eine Parteigrün­dung links von der SPD als notwendi­ge Alter­na­tive zum Ter­ror­is­mus an.

Im “Deutschen Herb­st” 1977 wurde vie­len Linksin­tellek­tuelle vorge­wor­fen, sie hät­ten den “geisti­gen Nährbo­den” der RAF geschaf­fen. In der “Zeit” vom 16. Sep­tem­ber gab er den Vor­wurf an die “herrschen­den Parteien” zurück und warnte vor den Fol­gen des Terrors:

Der indi­vidu­elle Ter­ror [führt] später in die indi­vidu­elle despo­tis­che Herrschaft, aber nicht in den Sozialismus.”

Den­noch griff ihn z.B. die Stuttgarter Zeitung vom 24. Sep­tem­ber des Jahres per­sön­lich als Weg­bere­it­er der RAF an:

Es ist Rudi Dutschke gewe­sen, der…gefordert hat­te, das Konzept Stadtgueril­la müsse hierzu­lande entwick­elt und der Krieg in den impe­ri­al­is­tis­chen Metropolen ent­fes­selt werden.”

Dage­gen meinte Dutschke, das Atten­tat auf ihn habe ein “geistiges, poli­tis­ches und sozialpsy­chol­o­gis­ches Kli­ma der Unmen­schlichkeit” her­vorgerufen (Nach­lass, 2. August 1978), und betonte nochmals:

Indi­vidu­eller Ter­ror […] ist massen­feindlich und anti­hu­man­is­tisch. Jede kleine Bürg­erini­tia­tive, jede poli­tisch-soziale Jugend‑, Frauen‑, Arbeitslosen‑, Rent­ner- und Klassenkampf­be­we­gung […] ist hun­dert­mal mehr wert und qual­i­ta­tiv anders als die spek­takulärste Aktion des indi­vidu­ellen Terrors.”

Ver­hält­nis zum Staatskommunismus

Für Dutschke waren Demokratie und Sozial­is­mus untrennbar miteinan­der ver­bun­den. Die Ver­fü­gung der Arbeit­er über die Pro­duk­tion­s­mit­tel sollte das Erbe der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion, die “bürg­er­lichen” Frei­heit­srechte, bewahren und die freie Ent­fal­tung des Indi­vidu­ums ermöglichen und erweitern.

Deshalb gren­zte er sich seit 1956 gegen den Lenin­is­mus der Sow­je­tu­nion und der von ihr beherrscht­en Staat­en ab. Er sah diesen als dok­trinäre Entar­tung des gen­uinen Marx­is­mus zu ein­er neuen “bürokratis­chen” Herrschaft­side­olo­gie. Er forderte und erwartete seit dem 17. Juni 1967 auch im Ost­block eine durch­greifende Rev­o­lu­tion zu einem selb­st­bes­timmten Sozial­is­mus. Im SDS set­zte er sich inten­siv mit den DDR-Sym­pa­thisan­ten und “Tra­di­tion­al­is­ten” und ihrem an Lenins Konzept ein­er Kader­partei angelehn­ten Rev­o­lu­tionsver­ständ­nis auseinan­der. Ein Stasi-Spitzel im SDS meldete daraufhin in die MFS-Zen­trale nach Ost-Berlin, Dutschke vertrete “eine völ­lig anar­chis­tis­che Posi­tion”; ein ander­er IM meldete: “Dutschke spricht auss­chließlich vom Scheiß­sozial­is­mus in der DDR”.

Den “Prager Früh­ling” begrüßte Dutschke vor­be­halt­los. Nach dessen Nieder­schla­gung übte er Selb­stkri­tik, weil der SDS mit der SED gegen den Viet­namkrieg zusam­me­nar­beit­et hatte:

Sind wir gar einem riesi­gen Fremd- und Eigen­be­trug anheimge­fall­en? […] Warum geht eine SU (ohne Sow­jets), die sozial­rev­o­lu­tionäre Bewe­gun­gen in der Drit­ten Welt unter­stützt, impe­ri­al­is­tisch gegen ein Volk vor, welch­es selb­ständig unter Führung der kom­mu­nis­tis­chen Partei die demokratisch-sozial­is­tis­che Ini­tia­tive ergriff? […] Ohne Klarheit an dieser Ecke ist ein sozial­is­tis­ch­er Stand­punkt der konkreten Wahrheit, Glaub­würdigkeit und Echtheit unmöglich, wer­den ger­ade die Unter­drück­ten, Aus­ge­beuteten und Belei­digten in der BRD und der DDR im beson­deren nicht bere­it sein, über Lohnkämpfe hin­aus in den poli­tis­chen Klassenkampf einzusteigen.”

Eine Zeit­lang begrüßte Dutschke Mao Zedongs Kul­tur­rev­o­lu­tion wie auch die Roten Khmer unter Pol Pot als Beitrag zur erhofften Ent­bürokratisierung des Staatskom­mu­nis­mus und zur Über­win­dung der “asi­atis­chen Pro­duk­tion­sweise”. Doch schon 1968 gren­ze er sich unter dem Ein­fluss von Ernest Man­del vom Mao­is­mus ab. Von den nun entste­hen­den K‑Gruppen, die sich kri­tik­los an Chi­na oder Alban­ien anlehn­ten, dis­tanzierte er sich ebenfalls.

Dutschkes Dis­ser­ta­tion (Ver­such, Lenin auf die Füße zu stellen, 1974) erk­lärte die Ursachen der sow­jetisch-chi­ne­sis­chen Fehlen­twick­lung im Gefolge Karl August Wit­tfo­gels mit der marx­is­tis­chen Gesellschaft­s­analyse. Er ver­trat hier die Ansicht, dass die Voraus­set­zun­gen für eine sozial­is­tis­che Rev­o­lu­tion in Rus­s­land nie bestanden hät­ten, und nahm stattdessen eine unge­broch­ene Kon­ti­nu­ität der “asi­atis­chen Despotie” von Dschingis Khan bis zu Stal­ins Zwangskollek­tivierung und Zwangsin­dus­tri­al­isierung an. Während Lenin 1905 noch für die Ent­fal­tung des Kap­i­tal­is­mus in Rus­s­land plädiert habe, damit dort eine echte Arbeit­erk­lasse her­anwach­sen könne, sei schon sein “Okto­ber­putsch” von 1917 als Rück­fall in die “all­ge­meine Staatssklaverei” anzuse­hen. Die Entwick­lung von Lenin zu Stal­in sei logis­che Folge des Parteien- und Frak­tionsver­bots gewe­sen. Stal­ins Ver­such, die Pro­duk­tiv­ität der Sow­je­tu­nion durch bru­tale Zwangsin­dus­tri­al­isierung zu steigern, habe ihre Abhängigkeit vom kap­i­tal­is­tis­chen Welt­markt nie beseit­i­gen kön­nen. Er habe nur einen neuen Impe­ri­al­is­mus her­vorge­bracht, so dass mil­itärische Unter­stützung von Befreiungs­be­we­gun­gen in der Drit­ten Welt und Unter­drück­ung von selb­st­bes­timmten Sozial­is­musver­suchen im Ost­block eine logis­che Ein­heit darstellten.

Der Stal­in­is­mus sei man­i­fester “Anti-Kom­mu­nis­mus”, der eine “Monopol­bürokratie” geschaf­fen habe, die nicht min­der aggres­siv sei als die “Monopol­bour­geoisie”, die Stal­in für den deutschen Faschis­mus ver­ant­wortlich machte. Somit sei es kein Zufall, dass seine Gulags und KZs nach 1945 nicht ver­schwun­den, son­dern aufrecht erhal­ten wor­den seien. Diesen sys­tem­be­d­ingten, nicht als “Entar­tung” der Poli­tik Lenins zu begreifend­en Charak­ter der Sow­je­tu­nion hät­ten auch Leo Trotz­ki, Bucharin, Karl Korsch, Rudolf Bahro, Jür­gen Haber­mas und andere marx­is­tis­che Kri­tik­er und Ana­lytik­er nicht voll erkannt.

Der isolierte “Sozial­is­mus in einem Land” sei eine “anti­dy­namis­che Sack­gassen­for­ma­tion”, die sich nur noch durch Kred­ite und Importe aus dem West­en am Leben erhal­ten könne. Alle ihre schein­baren inneren Refor­man­läufe seit Chrustschow und dem XX. Parteitag 1956 seien nur Mit­tel zum Über­leben der ZK-Bürokratie gewesen:

Von pseu­do-link­er, gut­ge­mein­ter moralisch-roman­tis­ch­er Posi­tion kann man es gutheißen, Pro­duk­tion­sweisen zu ‘über­sprin­gen’, mit einem sozial­is­tis­chen Stand­punkt hat­te (und hat) die Moskauer Posi­tion des­gle­ichen wie die Pekinger nie etwas zu tun.”

Auf­grund dieser ein­deuti­gen Hal­tung galt Dutschke der Stasi bis zum Ende der DDR 1990 als Autor jenes “Man­i­fests des Bun­des Demokratis­ch­er Kom­mu­nis­ten”, das der Spiegel im Jan­u­ar 1978 veröf­fentlichte. Es forderte wie seine Dis­ser­ta­tion den Über­gang von der asi­atis­chen Pro­duk­tion­sweise des bürokratis­chen “Staatskap­i­tal­is­mus” zur sozial­is­tis­chen Volk­swirtschaft, von der Ein-Parteien-Dik­tatur zu Parteien­plu­ral­is­mus und Gewal­tenteilung. Erst 1998 stellte sich der wahre Autor (Her­mann von Berg, ein Leipziger SED-Dis­si­dent) heraus.

 

Ver­hält­nis zum Parlamentarismus

Dutschke lehnte die repräsen­ta­tive Demokratie in den sechziger Jahren entsch­ieden ab, weil er das Par­la­ment nicht als Volksvertre­tung ansah. In einem Fernse­hin­ter­view erk­lärte er am 3. Dezem­ber 1967:

Ich halte das beste­hende par­la­men­tarische Sys­tem für unbrauch­bar. Das heißt, wir haben in unserem Par­la­ment keine Repräsen­tan­ten, die die Inter­essen unser­er Bevölkerung — die wirk­lichen Inter­essen unser­er Bevölkerung — aus­drück­en. Sie kön­nen jet­zt fra­gen: Welche wirk­lichen Inter­essen? Aber da sind Ansprüche da. Sog­ar im Par­la­ment. Wiedervere­ini­gungsanspruch, Sicherung der Arbeit­splätze, Sicherung der Staats­fi­nanzen, in Ord­nung zu brin­gende Ökonomie, all das sind Ansprüche, die muss aber das Par­la­ment ver­wirk­lichen. Aber das kann es nur ver­wirk­lichen, wenn es einen kri­tis­chen Dia­log her­stellt mit der Bevölkerung. Nun gibt es aber eine totale Tren­nung zwis­chen den Repräsen­tan­ten im Par­la­ment und dem in Unmündigkeit gehal­te­nen Volk.“

Um diese Ent­frem­dung zwis­chen Regieren­den und Regierten zu über­winden, sprach er sich für eine Rätere­pub­lik aus, die er in West-Berlin vor­bild­haft auf­bauen wollte. Wie in der Paris­er Kom­mune soll­ten sich auf der Basis selb­stver­wal­teter Betriebe Kollek­tive von höch­stens dre­itausend Men­schen bilden, um ihre Angele­gen­heit­en im herrschafts­freien Diskurs, mit Rota­tion­sprinzip und imper­a­tivem Man­dat ganzheitlich selb­st zu regeln. Polizei, Jus­tiz und Gefäng­nisse wür­den dann über­flüs­sig. Auch werde man nur fünf Stun­den täglich arbeit­en müssen.

Früher war der Betrieb die Ebene, wo das Leben tot­geschla­gen wurde. Indem die Fab­rik unter eigene Kon­trolle genom­men wird, kann sich in ihr Leben ent­fal­ten. Arbeit kann dann Selb­sterzeu­gung des Indi­vidu­ums bedeuten statt Entfremdung.“

Als Keimzellen solch­er Kollek­tive schlug er poli­tis­che “Aktion­szen­tren” vor, die das stu­den­tis­che Milieu mit der Lebenswelt der Arbeit­er ver­mit­teln und andere For­men des Zusam­men­lebens aus­pro­bieren soll­ten. Dies fand er später in den Bürg­erini­tia­tiv­en, der Alter­na­tiv- und Ökolo­giebe­we­gung teil­weise realisiert.

Vor wie nach dem Atten­tat gren­zte er sich von fast allen beste­hen­den Parteien ab und suchte ständig nach neuen, unmit­tel­bar wirk­samen Aktions­for­men. Zugle­ich fand er aber bei den ital­ienis­chen Eurokom­mu­nis­ten Geis­tesver­wandte und erwog schon früh die Grün­dung ein­er neuen Linkspartei. Doch seine Skep­sis gegen eine verselb­ständigte “revi­sion­is­tis­che” Partei-Elite überwog.

Seit 1976 engagierte Dutschke sich für den Auf­bau ein­er ökosozial­is­tis­chen Partei, die die neuen außer­par­la­men­tarischen Bewe­gun­gen bün­deln und par­la­men­tarisch wirk­sam wer­den lassen sollte. Ab 1978 set­zte er sich mit anderen für eine grünal­ter­na­tive Liste ein, die an den kom­menden Europawahlen teil­nehmen sollte. Im Juni 1979 gewann Joseph Beuys Dutschke für gemein­same Wahlkamp­fauftritte. Im August wurde er Mit­glied der Grü­nen Liste Bre­mens, die am 7. Okto­ber als erster grün­er Lan­desver­band die Fünf-Prozent-Hürde über­sprang. Damit hat­te er sich schließlich dem Par­la­men­taris­mus zugewandt.

Bald darauf wurde Dutschke als Delegiert­er für den Grün­dungsparteitag der Grü­nen gewählt. Auf dem Pro­grammkongress in Offen­bach trat er in Verbindung mit der “deutschen Frage” für das Selb­st­bes­tim­mungsrecht der Natio­nen und damit für ein Wider­stand­srecht gegen die Mil­itär­blöcke in West wie Ost ein. Dieses The­ma warf son­st nie­mand auf, da es der strik­ten Gewalt­frei­heit wider­sprach, auf die sich die Mehrheit dann fes­tlegte: Die Grü­nen woll­ten damals eine streng paz­i­fistis­che Antiparteien-Partei sein.

Biografie von Dutschke

1940
7. März: Rudi Dutschke wird in Schönefeld/Mark Bran­den­burg als viert­er Sohn eines Post­beamten geboren.

1958
Nach dem Abitur wird Dutschke auf­grund sein­er poli­tis­chen Ein­stel­lung die Erlaub­nis zum Studi­um in der DDR verwehrt.

1958–1960
Aus­bil­dung zum Indus­triekauf­mann im Luck­en­walder Volk­seige­nen Betrieb (VEB) “Beschläge”.

1960
Dutschke pen­delt nach West-Berlin und wieder­holt dort sein Abitur, um in der Bun­desre­pub­lik studieren zu können.

1961
Kurz vor dem Mauer­bau siedelt Dutschke nach West-Berlin über. Im Win­terse­mes­ter begin­nt er mit dem Studi­um der Sozi­olo­gie an der Freien Uni­ver­sität Berlin.

1962/63
Mit­be­grün­der der “Sub­ver­siv­en Aktion”, die sich 1964 dem “Sozial­is­tis­chen Deutschen Stu­den­ten­bund” (SDS) anschließt.

1965
Feb­ru­ar: Dutschke wird in den poli­tis­chen Beirat des West-Berlin­er SDS gewählt.

ab 1966
Teil­nahme an Demon­stra­tio­nen unter anderem gegen den Viet­namkrieg, gegen die Not­stands­ge­set­ze und gegen die Bil­dung der Großen Koali­tion. Inner­halb der Stu­den­ten­be­weg­nung organ­isiert Dutschke nach dem Mot­to “ohne Pro­voka­tion wer­den wir über­haupt nicht wahrgenom­men” zahlre­iche Demon­stra­tio­nen und Aktio­nen gegen das soge­nan­nte “Estab­lish­ment”.
Dutschke ruft zur Bil­dung ein­er außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion auf.
Heirat mit Gretchen Klotz. Aus der Ehe gehen die Kinder Hosea Ché ( geb. 1968) und Pol­ly Nicole (geb. 1969) hervor.

1967
2. Juni: Bei der Demon­stra­tion gegen den Besuch des Schah von Iran wird der Stu­dent Ben­no Ohne­sorg erschossen. Bei den fol­gen­den Ini­tia­tiv­en entwick­elt sich Dutschke immer mehr zum Anführer des “anti­au­toritären Lagers” inner­halb des SDS. Dutschke nimmt außer­dem am Hunger­streik für den inhaftierten Kom­mu­nar­den Fritz Teufel teil, disku­tiert öffentlich mit dem Sozial­wis­senschaftler Her­bert Mar­cuse und gibt ein Fernseh-Inter­view mit Gün­ter Gaus.
Dutschke wird zu einem der Organ­isatoren der “Springer-Kam­pagne”, die die Enteig­nung des Ver­legers Axel Springer fordern.
Er gilt als The­o­retik­er und Reflek­tier­er. Von den ter­ror­is­tis­chen Aktio­nen gren­zt er sich deut­lich ab und beze­ich­net sie später auch als “Zer­störung der Vernunft”.

1968
Mitor­gan­isator des Inter­na­tionalen Viet­nam-Kon­gress­es in West-Berlin.
Während des soge­nan­nten Prager Früh­lings reist Dutschke nach Prag.
11. April: Dutschke wird von einem jun­gen Hil­f­sar­beit­er, dem recht­sex­treme Ten­den­zen nachge­sagt wer­den, niedergeschossen und lebens­ge­fährlich ver­let­zt. Die Tat wird dem Springer-Konz­ern ange­lastet. Es fol­gen nation­al wie inter­na­tion­al große Protestkundge­bun­gen. Dutschke reist nach schw­eren Oper­a­tio­nen zu einem Erhol­ungsaufen­thalt in die Schweiz, danach nach Ital­ien sowie nach Großbritannien.

1969
Dutschke wird aus Großbri­tan­nien aus­gewiesen, erhält aber nach einem kurzen Aufen­thalt in Irland erneut Ein­reiseer­laub­nis und lebt in ein­er Wohnge­mein­schaft in London.

1970
Studi­um an der Uni­ver­sität Cam­bridge bis Dutschke wegen ange­blich­er “sub­ver­siv­er Tätigkeit” erneut aus Großbri­tan­nien aus­gewiesen wird.

1971
Aus­reise nach Däne­mark, wo er als Dozent an der Uni­ver­sität Aarhus tätig wird.

1972
Wieder­holt Reisen in die Bun­desre­pub­lik und nach West-Berlin.

1973
Teil­nahme an ein­er Bon­ner Anti-Viet­nam-Demon­stra­tion bei der er seine erste öffentlich Rede nach dem Atten­tat hält.
Pro­mo­tion an der Freien Uni­ver­sität Berlin im Bere­ich Sozi­olo­gie zum Dr. phil. Das The­ma sein­er Arbeit lautet: “Zur Dif­ferenz des asi­atis­chen und wes­teu­ropäis­chen Weges zum Sozialismus”.

1974
Veröf­fentlichung ein­er pop­u­lar­isierten Form sein­er Dis­ser­ta­tion über den ungarischen Marx­is­ten Georg Lukács. In dem Buch beschreibt Dutschke seine Vorstel­lung von einem deutschen Weg zum Sozial­is­mus, ohne Führungsanspruch aus Moskau, Ost-Berlin oder Peking.

1975
Mitar­beit an einem Forschung­spro­jekt der Deutschen Forschungs­ge­mein­schaft an der Freien Uni­ver­sität Berlin über einen Ver­gle­ich der Arbeitsver­fas­sun­gen in der Bun­desre­pub­lik, der DDR und der UdSSR.
Dutschke reist ver­schiedene Male in die DDR, wo er unter anderem Kon­takt zu Wolf Bier­mann und Robert Have­mann aufnimmt.

ab 1976
Bei Aufen­thal­ten in Nor­we­gen und Ital­ien hält Dutschke Vorträge zu den The­men Berufsver­bot, Men­schen­rechte und Osteu­ropa. Mit Fernse­hauftrit­ten und Reden wird er auch in der Bun­desre­pub­lik wieder ver­stärkt poli­tisch aktiv.

1977
Dutschke schreibt für ver­schiedene linke Zeitschriften, nimmt an der Anti-Atom­kraft-Demon­stra­tion in Brock­dorf teil und wird im Win­terse­mes­ter 1977/78 Gast­dozent an der Uni­ver­sität Gronin­gen in den Niederlanden.

1978 und 1979
Teil­nahme am ersten und zweit­en Rus­sel-Tri­bunal über die Men­schen­rechte in der Bun­desre­pub­lik. Desweit­eren engagiert Dutschke sich für die Grünen.

1979
24. Dezem­ber: Rudi Dutschke stirbt uner­wartet nach einem Schwächean­fall, ein­er Spät­folge des Atten­tats, in Aarhus/Dänemark.

1980
Sein Sohn Rudi-Marek wird geboren.

(iz)